Einleitende Gedanken - Tai Chi Schwert

SENSIBILITÄT – Tai Chi Schwert 11

Ein gewisses Maß an Geschick ist notwendig, um Äste mit einer Machete zu schneiden: die Machete muss scharf sein, sie muss mit Geschwindigkeit und Genauigkeit gehandhabt werden, sie muss sich in perfekter Ausrichtung durch die Luft bewegen, und sie muss den Ast in einem bestimmten Winkel treffen, um einen optimalen Schnitt zu erzeugen. Der Baum hilft oder hindert dich nicht in deinem Bestreben – er bleibt passiv – und mit etwas Übung wird er einfach zu schneiden sein.

SENSIBILITÄT, Tai Chi Schwert

Beim Duellieren/Fechten scheren sich die O nicht darum, geschnitten zu werden. Sie sind fühlende Wesen und werden tun, was immer sie können, um deine Bemühungen zu unterlaufen. Je mehr sie üben, umso schwieriger wird es, sie zu ‚berühren’ und desto mehr müssen wir unsere Fähigkeiten verbessern – so ist der Entwicklungsvorgang.

Beim Fechten stellen wir unsere Fähigkeiten der Handhabung eines Instrumentes und unser Vermögen zu fühlen auf die Probe. Wir spüren die Energie von O und seine Intentionen, einhergehend mit einer Übertragung von einer Person über die Klinge, zur anderen Klinge auf die andere Person.

Wir übermitteln einander bestimmte Informationen über unsere Intentionen, Fertigkeitslevel und Schwachstellen. Diese Rückkoppelung tritt zwar in allen Aspekten des persönlichen Kampfes/Sports klar zu Tage, aber beim Tai Chi Push Hands und beim Fechten ist sie eine unabdingbare Voraussetzung, der wichtigste Aspekt.

Es gibt viele Tai Chi-Stile und sie alle mögen verschiedene Schwertformen üben, aber sie praktizieren das Fechten nicht zwangsläufig mit derselben Zielsetzung im Geist. Manche fechten, um ‚Duellanten’ zu werden, fähig zum Kampf auf Leben und Tod, andere beschäftigen sich mit kämpfen und gewinnen; sie werden ‚uns kriegen’, wenn sie können, sie werden zu Kraft, Geschwindigkeit und ihren Lieblingstechniken Zuflucht nehmen, um zu gewinnen.

Jene von uns, die dem Weg der Sensibilität folgen, können beim Üben mit Fechtern dieser Geisteshaltung viel lernen – dies muss aber mit Bedacht geschehen.

Über Tausende von Jahren wurden Schwerter gemeinsam mit Schildern benutzt, bis entdeckt wurde, dass das Schwert auch für die Verteidigung und nicht nur für den Angriff geeignet war, und zwar nicht nur mittels Blocken, sondern auch durch Fühlen mittels der Klinge. Viele der berühmtesten Schwertfechter, die Bücher geschrieben haben oder zu dem Thema zitiert wurden, haben von dieser Fähigkeit gesprochen.

Autor: Kenneth van Sickle
Übersetzerin: Gabi Kannenberg
Fotos: Kenneth van Sickle und Taiji Forum